Trip nach Russland

Nachdem die FIA kurzfristig ein Rennen in Smolensk auf den Kalender der Truckracer gesetzt hatte wurde im Fahrerlager heftig diskutiert. Zum einen versprach die RAF (Russian Automobil Federation) eine Zollabwicklung ohne jegliche Papiere, zum anderen eine Polizeieskorte von der Grenze bis zum Rennplatz. Selbstverständlich sollte auch die Rennstrecke fertig asphaltiert, die Curbs gesetzt sowie die Boxenanlage errichtet werden. Kaum Zeit verblieb den Teams nach dem Truck GP am Nürburgring um die Renntrucks für das nächste Rennen zu warten, reparieren und wieder zu verladen.
Gelber Truck am Roten Platz!

Wenn die Renntrucks schon in Russland sind, warum nicht auch gleich eine Pressekonferenz auf den Roten Platz machen und dabei das Team und Alexander Lvov, den russischen Fahrer bei seinem Heim- Grand- Prix vorstellen? Die Chancen dieses Unterfangen in einer Woche zu bewerkstelligen siedelten Experten in der Nähe von Null an. Während sich die Mannschaft um die Trucks kümmerte, glühten im Büro die Telefonleitungen. Der Zeitplan musste abgesteckt, die verschiedenen Ausnahmegenehmigungen beantragt und eingeholt werden. TV, Rundfunk und Presse wurden eingeladen. Aber auch die Kleinigkeiten wie die Autowäsche in Moskau, Strom am Roten Platz, Musikkapelle, Soundanlage oder Hotelbuchungen standen an.

Am Sonntagnachmittag wurden die V8 von MAN in Weiler für die große Reise gestartet. Unspektakulär verlief die Fahrt über Nürnberg und Hof bis kurz vor Polen. Am nächsten Morgen passierte der Konvoi die polnische Grenze. Die Straßen in Polen verlangen eine besondere Aufmerksamkeit der Fahrer. Engstellen, Schlaglöcher und Baustellen zeichnen den Weg über Lodzs, und Warschau zur litauischen Grenze. Die letzten 500 km durch Litauen und Lettland wurden am Dienstag unter die Räder genommen. Fabien Calvet (FIA – Coordinator) erwartete die Teams an der EU-Außengrenze zu Russland. Die von der FIA und dem Organisator versprochene Hilfestellung und Sonderbehandlung bei der Grenzabfertigung hielt sich, wie alle Versprechungen dieses umstrittenen Vereines, in Grenzen. So kämpften sich die Teams in stundenlangen Wartezeiten Meter um Meter Richtung Russland. Um fünf Uhr früh rollten die Trucks über russischen Boden auf den ersten Parkplatz. Nach einer Fahrtzeit von neun Stunden und 12 Stunden „Schlange stehen“ schnarchte die Crew schon bevor die Köpfe die Kissen berührten.

Während die Polizeieskorte den Konvoi in Richtung Smolensk begleitet, schlägt der gelbe Renntruck von Alexander Lvov auf einem der Transporter die M9 in Richtung Moskau ein. 700 km müssen an diesem Tag bis zum Zielpunkt bewältigt werden. Teilweise haben die Straßen europäisches Niveau, leider nur teilweise, die Mehrheit der Fahrtstrecke ist von Spurrinnen und Schlaglöchern gekennzeichnet und die Tachonadel klettert selten über 60 km/h. Dennoch werden von der Polizei die Geschwindigkeiten strikt kontrolliert. Anstelle von Geldstrafen werden aber gerne Cap´s oder T-Shirts akzeptiert. Ca. 200 km vor der russischen Hauptstadt wird die Sicht schlechter, beißender Qualm überzieht das Land. Über 170 000 ha Land steht in Flammen. Tausende Feuerwehrleute und Militär ist im Einsatz um die Flächenbrände in den Griff zu bekommen. In der Hauptstadt selbst werden Temperaturen von über 40 Grad registriert. Auch in der Nacht sinken die Temperaturen kaum unter 30 Grad. Am nächsten Tag wird der Truck noch in der russischen MAN – Niederlassung gewaschen, dann geht es in Richtung Zentrum von Moskau. Der Truck wird mehrmals angehalten und kontrolliert. Die Polizisten können kaum glauben, dass das seltsame Gefährt mit europäischem Kennzeichen tatsächlich über eine Sondergenehmigung verfügt.

Dann biegt der Truck das letzte Mal ab und wird für die Foto und Filmaufnahmen positioniert. Schaulustige sind sofort zur Stelle um das Szenario zu verfolgen. Aber auch Polizisten beobachten ständig alle Aktivitäten. Pünktlich um 13:00 Uhr beginnt die Musikkapelle der russischen Militärmusik mit ihren Vorführungen. Nach der Präsentation des Teams durch Egon Allgäuer und der Vorstellung von Alexander Lvov haben die zahlreich anwesenden Journalisten die Möglichkeit Fragen zu stellen und Fotos zu machen. Spontan nutzt ein Hochzeitspaar die Chance sich vor dem Renntruck zu präsentieren. Nachdem auch die Autogrammjäger auf ihre Kosten gekommen sind, wird wieder eingepackt und der Renntruck verladen. Der gelbe Truck am Roten Platz wird auf jeden Fall als ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Teams eingehen.

Fotos

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