Samstag am Nürburgring

An jedem Rennwochenende im FIA – Kalender werden auf der Piste maximal 60 Punkte pro Fahrer vergeben – daran hat sich trotz diverser Modifikationen des Reglements seit vielen Jahren nichts geändert. Und doch gibt es solche Truckrennen und solche: Beim Truck Grand Prix auf dem Nürburgring drängt sich mitunter der Eindruck auf, hier würde mindestens das alles entscheidende Rennen ausgefahren. Was an der schieren Größe der Veranstaltung liegt, die in diesem Jahr zudem ihr 25-jähriges Jubiläum feiert.

In all den Jahren haben sich die Vorzeichen, unter denen der Truck Grand Prix ausgetragen wird, teils fundamental geändert. Nicht zuletzt deshalb ist das Truckrennen in Deutschland auch ein Seismograph für die Branche im Allgemeinen und die Truck Race Szene im Speziellen. Die vielen zehntausend Besucher feiern hier ein ausgelassenes Fest, für viele Trucker ist die Visite in der Eifel zugleich der Jahresurlaub. Doch die Verantwortlichen in den Teams und ihre Partner aus der Branche registrieren genau, wer da ist und wer nicht und in welche Richtung das Stimmungsbarometer gerade tendiert.

Auch das Truck Race Team Allgäuer konnte beim Truck Grand Prix wieder zahlreiche hochkarätige Gäste in der Lounge begrüßen, zudem hatte man sich schon im Vorfeld zahlreiche Marketing-Aktionen überlegt bzw. diese angeschoben, um die gelben Trucks aus Vorarlberg gebührend zu präsentieren. Wie in den vergangenen Jahren üblich, zierten die MAN-Renntrucks von Adam Lacko und Alexander Lvov alle offiziellen Druckerzeugnisse und Medienauftritte der Veranstaltung. Für Marketingexperten: Dadurch verbuchte das Team für seine Sponsoren bereits vor Beginn des Rennwochenendes mehr als 50 Millionen Blickkontakte.

Um Punkte ging es wie gesagt auch an diesem Wochenende, für Lacko und Lvov war der erste Tag diesmal schon der Donnerstag. Da betätigten sich die beiden Piloten als Taxifahrer für VIPs, Journalisten und Gäste des Teams. Am Freitag fand nach zwei freien Trainingseinheiten das erste Zeittraining statt. Die beiden Fahrer des Truck Race Team Allgäuer schafften es problemlos in die Top Ten und durften als Fünft- bzw. Achtplatzierter in die zweite Runde, in der die Startplätze der ersten fünf Reihen ausgemacht werden. Im Zeittraining Superpole wurden Adam Lacko mit der sechst- und Alexander Lvov mit der siebtschnellsten Zeit gestoppt. Offenbar fand das Duo Gefallen dieser Reihung, denn Lacko und Lvov beendeten das erste Championshiprace mit dem gleichen Ergebnis. Der Lauf verlief aus Sicht der beiden Fahrer problemlos, was sich vom nächsten Auftritt nicht uneingeschränkt behaupten lässt. Da kam es schon beim Start zu einer Rangelei, an der neben Lacko auch die beiden Deutschen Uwe Nittel und Jochen Hahn beteiligt waren; Hahn erhielt für seinen „Beitrag“ später eine Drive Thru Strafe. In der Folge fielen die beiden gelben MAN etwas zurück, wenig später sorgte der Franzose Anthony Janiec für die Unterhaltung des Publikums. Während Lacko und Lvov wie aneinandergekoppelt ihre Runden abspulten, wollte sich der Franzose partout zumindest dazwischen quetschen, was zunächst aber misslang. Erst nach etlichen spannenden Runden fand Janiec einen Weg vorbei an Lacko, was aber Lvov ausnutzen konnte, um sich an beiden vorbei zu schieben. Lvov Sechster, Lacko Achter – so lautete das Ergebnis schließlich.

Altmeister und Rennsportlegende Hans-Joachim Stuck konnte im Mittelrhein Cup seinen Coup vom Vorjahr nicht wiederholen. Er musste sich diesmal trotz einer fehlerfreien Leistung mit dem vierten Rang zufrieden geben, an der Spitze des Rennens, das für die britische Meisterschaft gewertet wird, lagen nicht ganz unerwartet Levett und Oliver, die dem Gaststarter dann doch einige Runden im Renntruck voraus haben. Stuck sinnt auf Revanche und hat versprochen, am Sonntag noch einmal alles zu geben, um mindestens einen Platz auf dem „Stockerl“ zu ergattern.

Wie am Nürburgring üblich, lud das Team Allgäuer am Samstagabend Sponsoren und Freunde des Teams in die VIP-Lounge zum gemütlichen Beisammensein – schließlich soll genau das beim Truck Grand Prix stattfinden, der Gedankenaustausch in lockerer Atmosphäre. Natürlich gab es beim „Europameister in Sachen Marketing“ auch wieder eine Neuheit zu bestaunen. Die wurde, wie das im Motorsport so üblich ist, erst kurz vor dem Großereignis in der Eifel fertig. Den Gästen konnte man die ersten drei Prototypen der exklusiven Serie von ferngesteuerten Modellautos präsentiert, die das Truck Race Team Allgäuer aufgelegt hat. Special Guest bei der Veranstaltung war DTM-Pilot Timo Scheider, der am Nürburgring „Das Duell“ gegen Strietzel Stuck fährt, und mit seiner Familie in die Lounge gekommen war.

Scheider ist stark engagiert in der „Stunde des Herzens“, einer Aktion, die Kindern in Not hilft. Zugunsten dieser Initiative wurde dann auch das Modell mit der Seriennummer 1 versteigert, wobei sich die Vorstände von MAN und Castrol ein heißes Bieterduell lieferten. Am Ende setzte sich der Nutzfahrzeughersteller, vertreten durch Dr. Frank Hiller und Jörg Schwitalla, durch. Der Erlös aus der Versteigerung wurde durch die Gäste noch aufgestockt, so dass sich Timo Scheider am Ende über 3100 Euro im Spendentopf freuen konnte. Die Motorsportler ließen sich auch nicht lange bitten und steuerten Sachpreise bei: Ein Taxifahrt auf der Nordschleife mit Strietzel Stuck am Steuer, eine Fahrt im DTM-Auto um den Nürburgring mit Timo Scheider und Egon Allgäuer selbst trennte sich zugunsten der Kinder von seinem alten Rennanzug.

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