Reifenpoker und ein Sieg in Spanien!

Das Rennen in Jarama begann für das Truck Race Team Allgäuer mit einer schlechten Botschaft: Die FIA hatte sich entschlossen, die Rigdon-Reifen doch noch zu verbieten und stellte diesen Beschluss den Teams am Freitag gegen 16 Uhr zu. Unverzüglich wurde vom Teammanagement ein Brief aufgesetzt und gegen diese Entscheidung protestiert, da weder Egon noch Alex irgendwelche Erfahrungen mit Good Year Reifen haben, diese nie getestet worden sind und andererseits bei den „gelben Trucks nie Probleme mit Rigdon-Reifen aufgetreten sind. Außerdem waren die Rigdon-Pneus von der FIA in Le Mans unter Beobachtung gestellt worden, bei Problemen sollte sofort die Box angefahren werden – was allerdings niemand tun musste, da es keine Probleme gab. Zudem, so das letzte Argument, seien die geforderten Reifen gar nicht in ausreichender Anzahl erhältlich.

Der Brief wurde am Freitag nicht mehr angenommen, da die Verantwortlichen bereits die Rennstrecke verlassen hatten, die Reaktion folgte am Samstag und wurde vom TRTA als Hohn empfunden: Man müsse ja nicht fahren, wenn man keine zulässigen Reifen auftreibe, könne man gerne abreisen.

Das Zeittraining mussten Egon und Alex mit folglich mit Good Year Vorderachsreifen aus aktueller Produktion bestreiten, die mindestens 2,5 Sekunden langsamer sind als die gewohnten Reifen. Deshalb war es nicht weiter überraschend, dass die Rundenzeiten gerade einmal für Platz 14 (Alex) und 15 (Egon) gut waren. Bis zum Start des ersten Wertungslaufs gelang es dann, von befreundeten Teams einige ältere Reifen aufzutreiben, was sich prompt auszahlte. Während Alex im dicht gepackten Feld hängen blieb und nicht in den Punkterängen landen konnte, arbeitete sich Egon Allgäuer kontinuierlich nach vorne. Dabei profitierte er auch von einigen Durchfahrtstrafen und dem Crash zwischen Albacete und Bösiger, der beide ins Aus beförderte. So sprang am Ende etwas unerwartet sogar der fünfte Platz heraus. Der Crash zwischen Albacete und Bösiger entschied auch bereits am Samstag die Meisterschaft, Nutznießer und dadurch Europameister wurde auch dieses Jahr wieder David Vrsecky auf seinem Buggyra. Am Renntruck von Egon wurde nach dem ersten Rennen ein defektes Sperrdifferenzial diagnostiziert. Obwohl den Mechanikern zwischen den Läufen kaum Zeit blieb, schaffte es die Truppe in zwanzig Minuten das Teil zu wechseln.

Für diesen besonderen Einsatz wurde die Crew im zweiten Lauf auch entsprechend belohnt. Da erwischte Egon einen perfekten Start und zog noch vor der ersten Kurve an Lacheze und Rodrigues vorbei, die aus der vordersten Reihe gestartet waren. Damit hatte er wieder einmal die Spitze übernommen – doch diesmal sollte es über die gesamten zwölf Runden reichen. Zunächst klemmte sich der ebenfalls gut gestartete Chris Levett an Egons Heck, wobei sich die beiden einige Runden lang belauerten. Als Levett wiederum von Hahn unter Druck gesetzt wurde, konnte sich Egon etwas absetzen. Allerdings hatte sich Routinier Hahn rasch an dem Engländer vorbei gearbeitet und übernahm von diesem die Verfolgerrolle. Egon blieb an diesem Tag fehlerlos und freute sich zum Saisonabschluss über den Sieg, der nach den Ereignissen am Freitag sicher nicht zu erwarten war. Der oberste Platz auf dem Stockerl ist auch eine Belohnung für das gesamte Team, das in dieser Saison hart gearbeitet hat.

Wie in Spanien üblich, gab es wieder einmal Probleme mit den Castrol Grid Girls, die vermutlich dem Veranstalter ein Dorn im Auge sind. Der Organisator des Rennens ist die Fa. Examotor, Hauptsponsor ist die Mineralölfirma Cepsa. Zufälligerweise ist die Frau des Präsidenten der Truckrace Commission die Verantwortliche bei Examotor, die alle Rennen in Spanien austrägt. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass mit allen Mitteln versucht wird, die Castrolwerbung an der Rennstrecke zu unterbinden.

Am Sonntag, wurde verfügt, dürften die Girls nicht mit High Heels und nur mit Mechanikeranzug zur Startaufstellung – nach Ansicht des Teams eine Farce und für die Publicity und den gesamten Trucksport nicht zuträglich. Hübsche Girls sind in allen Motorsportarten das „Salz in der Suppe“!

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